Achtung Satire!
Historische Wahrheitsfindung im Kaufunger Hof – oder: Wann genau wurden wir eigentlich WIR?
Am 20. Februar wurde im Kaufunger Hof wieder einmal bewiesen: Politische Bildung funktioniert am besten mit einem Getränk in der Hand. Beim Format „Trinken mit den Grün-Linken“ versammelten sich Mitglieder, Sympathisant:innen und Quiz-Enthusiast:innen zu einem ebenso geselligen wie erkenntnisreichen Abend. Höhepunkt des Abends war zweifellos das große Kneipenquiz mit zehn hochspannenden Fragen rund um Kaufungen und die GLLK. Es wurde geraten, diskutiert und – man möchte sagen – mit bemerkenswerter Überzeugung auch gelegentlich völlig daneben gelegen.

Die Schicksalsfrage
Für besondere Dynamik sorgte Frage 7 (Nummer aus Gründen der historischen Unsicherheit nicht mehr ganz rekonstruierbar): Seit wann gibt es eigentlich die GLLK? Die offiziell von Bea als korrekt verkündete Antwort lautete: 2006.
Was dann geschah, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Ein hörbares Raunen ging durch den Raum.Augenbrauen hoben sich. Erfahrene Wegbegleiter:innen der GLLK tauschten vielsagende Blicke. Und irgendwo zwischen Theke und Tisch 3 war deutlich ein empörtes „Niemals!“ zu vernehmen.
Gesicherte und weniger gesicherte Erkenntnisse: Nach intensiver Auswertung der mündlichen Überlieferungslage lässt sich derzeit Folgendes festhalten:
Sicher ist:
– Nach Beginn der deutschen Beteiligung am Kosovokrieg 1999 wandten sich in Kaufungen zahlreiche Menschen enttäuscht von den Grünen ab.
– Ebenfalls sicher ist: Diese Menschen hatten keineswegs vor, politisch in den Ruhestand zu gehen.
Weniger sicher ist:
– Wann genau daraus die GLLK wurde.
– Noch weniger sicher ist: Wer damals eigentlich das Protokoll geführt hat (Spoiler: vermutlich niemand).
Kurz gesagt: Historisch gesichert ist vor allem die Existenz einer gewissen kreativen Erinnerungsbreite.
Die Geburtsstunde einer großen Idee
Aus dem produktiven Durcheinander, dem vielstimmigen Gemurmel und der sehr wissenschaftlich anmutenden Thekendiskussion entstand schließlich ein Vorschlag von bemerkenswerter Tragweite: Die Historische Kommission zur Aufarbeitung der GLLK-Geschichte
Man muss anerkennen: Selten wurde ein so großes Projekt auf so solider Grundlage aus Bierdeckeln und Kneipenweisheit entwickelt; Ein Auftrag von höchster Bedeutung. Die (rein hypothetische) Kommission hätte eine ebenso klare wie anspruchsvolle Mission:
• Rekonstruktion der sagenumwobenen Gründungsphase
• Sichtung verschollener Erinnerungen
• Auswertung zeitgenössischer Thekenquellen
• Endgültige Klärung der Frage: 1999? 2006? Oder „irgendwann dazwischen“?
Realistische Einschätzung
Nach eingehender Prüfung der politischen, organisatorischen und insbesondere gastronomischen Rahmenbedingungen kommt die Redaktion jedoch zu folgendem nüchternen Fazit:
Die Historische Kommission zur Aufarbeitung der GLLK-Geschichte wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemals ihre Arbeit aufnehmen. Und das ist vielleicht auch ganz gut so. Denn seien wir ehrlich:
Ein kleines bisschen Gründungsmythos hat noch jeder guten politischen Initiative gestanden.
