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Die große Einigkeit beim Thema Fracking

Da wird es ja fast schon langweilig, wenn sich alle so einig sind. Fracking will ja eigentlich niemand. Die Frage, die von Steffen Andreae in der vergangenen Gemeindevertretersitzung gestellt wurde, bleibt erwartungsgemäß unbeantwortet. Wenn wir an einem Wirtschaftssystem, welches auf Wachstum setzt, festhalten wollen, dann müssen wir uns auch Gedanken über die Energieversorung machen. Wenn wir weiterhin mit dem Auto durch die Gegend fahren wollen, dann brauchen wir dafür Treibstoff.

Wenn wir neue Fördertechniken in einer Zeit, in welcher die Ressourcen knapp werden, nicht wollen, dann ist es vernünftig einem Wachstumkonzept abzuschwören und unser Verhalten auf neue Grundlagen zu stellen. Doch – und das ist die Frage an all diejenigen, die sich nun gegen Fracking aussprechen – sind Sie bereit, unser derzeitiges Wirtschaftssystem in Frage zu stellen und sich an der Entwicklung von Alternativen zu beteiligen?

Es sind natürlich nicht alle gegen Fracking, so harmonisch ist es ja nicht. Wintershall-Chef Rainer Seele sagt dazu am 2.10.12 im Handelsblatt:

Seele fordert zudem den Einsatz der umstrittenen Fracking-Technologie bei der Gasförderung in Deutschland. Diese Technik zur Förderung von Öl und Gas in bisher auf konventionellem Wege unzugänglichen Lagerstätten sei nötig: „Ohne Fracking wird die Gasproduktion in Deutschland schnell zurückgehen“, sagte Seele dem Handelsblatt (Dienstags-Ausgabe).

Laut Seele spielt neben der Versorgungssicherheit für Deutschland aber auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit eine Rolle in der Fracking-Frage: „Ohne eigene Gasförderung in Deutschland haben wir keine Referenzen, die wir im Werben um Lagerstätten-Beteiligungen international erfolgreich einsetzen können“, sagte Seele. Denn Partnerschaften würden Staatsenergiekonzerne nur noch mit westlichen Firmen eingehen, die Technologie-Vorteile brächten: „Man kann in Zukunft nur noch Zugang zu Reserven bekommen, wenn man einen Mehrwert generieren kann in einer solchen Partnerschaft“, meinte Seele. „Wir müssen also verstärkt in Technologien investieren, sonst werden wir im Ringen um Lagerstätten nicht erfolgreich sein. Das wird ein Wettbewerb der Technologien.“

Mit der Fracking-Technologie kann Gas aus bislang schwer zugänglichen Gesteinsschichten gefördert werden. Dabei wird eine Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien mit hohem Druck in die Tiefe gepresst, damit sich im Gestein feine Risse bilden und das Gas entweichen kann. Vor wenigen Jahren gelang der Technologie in den USA der Durchbruch. Wegen des Einsatzes von Chemikalien steht die Technik aber auch in der Kritik von Umweltschützern. Seele sagte deshalb für Wintershall „die Einhaltung höchster Umweltstandards dabei“ zu. Die BASF-Tochter hatte sich zudem verpflichtet, Fracking nicht in Wasserschutzgebieten einzusetzen.

Das Argument „internationale Wettbewerbsfähigkeit“ hat natürlich wirklich seinen Charme. Wer kann dazu denn schon „Nein“ sagen? Und wenn man dazu „Nein“ sagt, dann heißt das (wenn man zu Ende denkt) auch „Ja“ zu sagen zu einer Veränderung dieses Wirtschaftssystems. Entweder – oder!