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Verkehrswende

Der stark gewachsene Verkehr wird immer mehr zum Ärgernis und zur Bedrohung der Menschen und des Klimas. Die Autos werden größer, es wird mehr gefahren, geflogen und Urlaub mit Kreuzfahrtschiffen ge-macht. Um im Klimaschutz ernsthaft voran zu kommen, brauchen wir eine Verkehrswende weg vom motorisierten Individualverkehr hin zu umweltfreundlichen Verkehrsmitteln: Fuß- und Radverkehr, Busse und Straßenbahn.

Wir gewinnen dadurch einen lebenswerteren Ort, gesunde Luft, schöne öffentliche Plätze, mehr Bewegung, mehr Klimaschutz und mehr Umweltgerechtigkeit.

Wir wissen aber auch, dass sich viele Kaufungerinnen überhaupt nicht vorstellen können, wie es mit weniger PKWs gehen kann. Und das ist ein Problem für uns alle, weil es ohne ein Bild keine Realisierung geben wird. Zudem fehlt ohne eine Vision die Kraft für deren Umsetzung.

Am 6. Oktober veröffentlichten wir auf unserer Seite einen Beitrag zum Thema, dass immer mehr Städte sich überlegen, wie sie den innerstädtischen Verkehr reduzieren können. Bei Facebook gab es dazu verschiedene Kommentare:

Wie soll denn die Zahl sinken? Ernstgemeinte Frage. Bahnen sind überfüllt – gerade morgens, mittags und abends. Bei fast jedem Sturm ist die Lossetal Strecke betroffen und gesperrt. Der Ersatzverkehr ist dann brechend voll, so dass man kaum in die Busse kommt. Nur weniger Autos zu fordern, reicht nicht. Mitfahrbänke sind auch toll, aber keine Option für Schulkinder. Hätten wir kein Auto, wüsste unser Kind gerade bei Ausfall des NVV nicht, wie es zur Schule nach Kassel kommt. Da keine sicheren Radwege vorhanden sind, ist Rad keine Option. Viele Kinder müssen auch nach Heli. Auch hier, bei Ausfall der Tram bleibt nur Auto. Ich bin gespannt, welche Vorschläge da sind.

Natürlich schlägt auf Facebook auch jemand vor, dass die GLLK doch mit dem Bobbycar herumfahren sollte, aber das sind nur Randgeräusche, die Social Media leider erzeugt. Jemand anderes schreibt, dass dann aber der ÖPNV billiger werden müsste.

Deutlich wird auch an diesen Antworten, dass es ein Maßnahmenbündel braucht.

Ein Element dabei ist die Förderung des Radverkehrs. Immer mehr Bürgerinnen steigen auf das Fahrrad um. Moderne Elektrofahrräder ermöglichen es, auch längere Strecken zu überwinden. Ein Rad-Schnellradweg nach Kassel ist nötig. Für die Strecke nach Lohfelden haben wir einen neuen Radweg nach Lohfelden beschlossen. Der Radweg nach Helsa hat immer noch eine gefährliche Lücke am Ortsausgang. Auf allen Parkplätzen brauchen wir eigene Bereiche für Fahrrad-Parken und die öffentlichen Gebäude sollten in der Nähe des Eingangs gute Fahrradständer haben.

Die Initative des Vereins Spurwechsel ist ein weiterer Baustein. Mitfahrbänke, Lastenfahrräder zum Ausleihen und Carsharing sind Elemente, die sich – so hoffen wir von der GLLK – in den nächsten Monaten etablieren müssen. Hierzu wünschen wir uns eine aktive Information für alle, die das Rathaus betreten und die nach Kaufungen ziehen. Dank unserer Initiative gibt es im Ort Stellplätze für Carsharing-Fahrzeuge. Wir haben die Förderung der Mitnahme­bänke beschlossen. Es wird nun darum gehen, dass sich eine Kultur des Mitnehmens, des Miteinanders entwickelt. So kann jede einzelne Person dazu beitragen, dass sich der Verkehr im Ort reduziert.

Dass wir uns bundesweit für einen günstigen ÖPNV einsetzen müssen. Das bedeutet, dass auch bei dieser Wahlentscheidung Ende des Jahres darauf geachtet werden sollte, ob die favorisierte Partei so etwas im Programm hat. Im Jahr 2022 steht eine Neuverhandlung der Verträge mit den Verkehrsträgern über die Straßenbahn an. Wir setzen uns dafür ein, die Attraktivität zu erhöhen und bestehende Lücken im Fahrplan zu schließen. In Stoßzeiten sollte der Takt verkürzt werden.

Und machen wir uns nichts vor: Eine weitere Autobahn wird das Problem sicherlich nicht lösen. Straßen ziehen Verkehr an, er entsteht genau durch diese.

Am Ende aber wird es so sein, dass wir aus dem Aussteigen müssen, was uns in diesem Autoland seit Jahren permanent eingetrichtert wird. Dass es eben ein eigenes Auto sein muss und dass es – so die neue Heilsbotschaft der letzten Jahre – auch immer noch größer sein muss. Ja, es wäre schön, wenn wir die letzten Jahre so gelebt hätten, dass jetzt keine rigorosen Schritte nötig sind. Aber so haben wir eben nicht gelebt.