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Hilfe für Kinder auf der Flucht

Anlässlich der Eröffnung der aktuellen Ausstellung im Rathaus sprach neben dem Bürgermeister auch Rolf Wekeck von terre des hommes. Mit deutlichen Worten beschrieb er die derzeitige Situation. Es ist gut, dass wir solch klaren Worte im Kaufunger Rathaus hören, machen sie doch auch deutlich, dass wir uns gemeinsam für eine Veränderung der grundlegenden Strukturen einsetzen müssen und dass wir selbst eben immer auch Teil der Problems und nicht nur Teil der Lösung sind.

„Niemand wird freiwillig zum Flüchtling. Und anders als es viele Menschen bei uns wahrnehmen wollen, sind die meisten Menschen in ihrem Heimatland oder in Nachbarländern auf der Flucht. Der Spruch: „Wir können nicht alle aufnehmen“ geht an der deutschen Realität völlig vorbei und ist angesichts der Lage in Jordanien oder dem Libanon nur als zynisch zu bezeichnen. Unglaubwürdig sind auch die selbsternannten Verteidiger des christlichen Abendlandes, denn der Gründer des Christentums war gemäß Matthäus 2 selber ein Flüchtlingskind.

Wer Fluchtursachen bekämpfen will, muss

  • die Waffenexporte stoppen,
  • sich für fairen Handel einsetzen,
  • den Klimawandel aufhalten,
  • legale Fluchtwege schaffen,
  • die Zusammenarbeit mit Diktaturen beenden,
  • finanzpolitisch auf Entwicklungs- und nicht auf Militärausgaben setzen,
  • ein Einwanderungsgesetz beschließen.

Beim Rüstungsexport hält die Bundesregierung noch nicht mal ihre eigenen Zusagen ein und genehmigt weiter Waffenlieferungen z.B. an Saudi-Arabien, das den Jemen in die Steinzeit zurückbombt. Selbst bei Bomben auf einen Schulbus werden die tödlichen Geschäfte nicht eingestellt. Letzten Sonntag berichtete im Ersten der Weltspiegel über das Kriegsverbrechen. An über 40 Kindergräbern trauerten Eltern und Geschwister. Für die verantwortlichen Saudis war das alles nur ein „Irrtum“. Internationale Proteste blieben aus.

Ebenso wird von den Regierenden hingenommen, dass über vier Millionen Flüchtlingskinder nicht zur Schule gehen können. Ohne Bildung ist die Zukunft dieser Kinder unwiderruflich zerstört, so der UN-Flüchtlingskommissar.

Noch schlimmer als die sprachliche Verrohung mit Aussagen wie „Asyltourismus“ oder „Anti-Abschiebe-Industrie“ ist die Kriminalisierung der Seenotretter. In welcher Welt leben wir, in der das Retten von Menschen zur Straftat wird und das Sterben im Mittelmeer billigend in Kauf genommen wird? Allein seit Jahresbeginn sind über 1500 Menschen ertrunken.

Ein Bundesinnenminister, der die Bereitschaft von Bundesländern und Kommunen Flüchtlinge aufzunehmen, blockiert, ist völlig fehl am Platze. Für diesen ist der Schutz von Grenzen wichtiger als der Schutz von Menschen. Auch die Kirchen kritisieren diese Politik und beklagen den Verlust der Humanität und der christlichen Werte.

Die rechtspopulistische Stimmungsmache gegen Migranten und Flüchtlingen ist im Zentrum der Politik angekommen. Nur so lässt es sich erklären, dass ein Land wie Afghanistan, das täglich durch Bomben erschüttert wird, von Politikern als sicher bezeichnet wird. Oder dass in der Ausbildung stehende Flüchtlinge, auch gegen den Willen der Betriebe, abgeschoben werden.

Zu dieser Stimmung haben auch viele Medien beigetragen. Berichte über einzelne kriminelle Flüchtlinge werden oft spektakulär gebracht, die vielen friedlichen, gut Integrierten, sind keine Nachricht wert. Sehr viel wurde über die angeblichen zahlreichen Entscheidungsfehler der Bremer Asylbehörde berichtet. Dagegen erfuhr die Öffentlichkeit nur am Rande, dass die Fehlerquote tatsächlich nur bei 1% lag.

Solidarität müsste das Leitmotiv der Flüchtlingspolitik sein. Der Schwerpunkt der Regierenden liegt jedoch auf Abschottung und Sicherung der Grenzen. Aber dagegen gibt es Widerstand. Die Willkommenskultur ist weiter stark im Land vertreten, auch wenn darüber kaum berichtet wird. Cafes mit Beratungen und Hilfe für Flüchtlinge, individuelle Betreuung, Kirchenasyl, Betriebe bieten Ausbildungsplätze an, Unterstützungsdemos, Tausende folgen in viele Städten den Aufrufen der Initiative „Seebrücke“ und fordern, den brutalen Umgang mit Bootsflüchtlingen zu beenden. Und auch die Ausstellung von terre des hommes gehört dazu.“